Die Feier der Trauung .
Siehe auch:
Geschichte(n) zur Hochzeit und Trauung
Worte und Bedeutungen
Zitate
 

Texte aus alter und neuer Zeit

Inhalt:

Altirisches Segensgebet
Die Stimme der Liebe
Ich möchte dich so gerne einmal küssen
Ich habe unzählige Seiten vollgeschrieben.
In Guten wie in schlechten Tagen.
Jemand hat mir zugelächelt
Liebe....
Liebe 56
Rezeptvorschlag für das neue Ehejahr
Über die Liebe
VATER UNSER
Zusammen schlafen
... für ein Leben zu zweit

Fortsetzung....


Möge Eure Ehe erfolgreich sein, und möge Gott mit euch sein.
Möget ihr niemals noch einmal heiraten.
Möge Gott euch nicht kinderlos lassen oder als Witwer.
Möget ihr ein langes Leben haben und glückliche Tage,
und möget ihr nicht aus diesem Leben scheiden, bevor euer Kind entwöhnt ist.
Möge Gott euch Glück bringen.
Möge Gott euch eurem Partner erhalten.
Mögen euch gute Zeiten begleiten.

Aus: H.Multhaupt: Möge der Strohsack...Altirische Segensgebete, Aachen 1993.

Zum Anfang

Ich möchte dich so gerne einmal küssen,
Ich möchte dich so gerne einmal küssen,
ob du's willst, das weiß ich nicht genau.
Ich möchte dich so gerne einmal küssen,
bitte tu was, daß ich mich trau!

Jeden Morgen, wenn ich in die Schule komm,
dann denk ich nur an dich,
ich freu mich auf dein Lachen und dein fröhliches Gesicht,
ich denke nur an dich.

Steh ich auf dem Schulhof ganz dicht neben dir,
dann zittern mir die Knie!
Dann spüre ich es ganz genau, ich liebe dich,
doch liebst du auch mich, doch liebst du auch mich?

Bumm bängebänge bänge bäng bumm bumm,
mein Herz schlägt wild,
ich glaub, ich bin verliebt!
Bumm bänge bänge bänge bumm bang bumm,
mein Herz schlägt wild,
na klar, ich bin verliebt! (Chor: Na klar, er ist verliebt!)

Ich küß dich auf die Augen, auf den Mund, aufs Ohr,
jetzt und auch nachher,
Und wenn es uns gefällt, dann küssen wir uns noch
viele Jahre mehr,
noch viele Jahre mehr,
noch viele Jahre mehr!

Atze

Nach: Thomas Sutter: Ich möchte dich so gerne einmal küssen. Kinderlied.

 

Über die Liebe.

Zum Anfang

Mit der Liebe ist es wie mit einem Rhöner Bauernbett.
Erst muß man das Bett eine halbe Nacht lang wärmen;
dann wärmt einen das Bett, daß man es nicht verlassen will.

Roland Breitenbach

Die Stimme der Liebe.

Zum Anfang

Wer die Liebe hat, ist tatkräftig und froh. Er ist frei und durch nichts gebunden. Er gibt alles für alles und hat alles in allem. Er findet seine Ruhe im Allerhöchsten, von dem alles Gute kommt. Er achtet nicht auf die Gaben, die er empfängt, sondern auf den Spender, der sie ihm gibt. Die Liebe ist nicht begrenzt, sondern geht über alles. Die Liebe macht sich keine Sorgen, sie scheut keine Mühe, und die Liebe will mehr, als sie vermag; nichts ist für sie unmöglich, denn sie denkt, daß sie alles kann und darf.
Darum findet die Liebe für alles Kraft, erreicht viel und hält durch, wo ein Liebloser den Mut verliert und aufgibt. Die Liebe ist wachsam und erlahmt nicht, sie kennt keine Furcht, sie wird nicht beunruhigt. Die Liebe leuchtet auf wie eine helle Flamme und eine brennende Fackel. Wenn jemand die Liebe hat, kennt er die Stimme der Liebe. In Gottes Ohr klingt das heftige Verlangen eines Menschen, der ausruft: "Mein Gott und meine Liebe, du bist ganz mein eigen, und ich gehöre dir ganz."
Thomas von Kempten in: "Christus Tag für Tag" (Brendow Verlag, Moers 1992).

Rezeptvorschlag für das neue Ehejahr

Zum Anfang

Man nehme 12 Monate, putze sie ganz sauber von Bitterkeit, Geiz,
Pedanterie und Angst und zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile, so daß
der Vorrat genau für ein Jahr reicht. Es werde jeder Tag einzeln
angerichtet aus einem Teil Arbeit und zwei Teilen Frohsinn und Humor. Man
füge drei gehäufte Eßlöffel Optimismus dazu, eine Portion Gottvertrauen,
einen Teelöffel Toleranz, ein Körnchen Geduld und eine Prise Takt. Dann
wird die Masse sehr reichlich mit Liebe übergossen. Das fertige Gericht
schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es
täglich mit freundlichen Worten und einem gewinnenden Lächeln.
Guten Appetit.

Fundort unbekannt

 

Zum Anfang

Jemand hat mir zugelächelt
mir Mut gemacht
mir zugehört
mich um Rat gefragt
Zeit für mich gehabt
mir liebevoll auf die Schulter geklopft
sich von mir führen lassen
mir Vertrauen geschenkt
mir die Hand gereicht
mir Blumen gegeben
mir die Sterne gezeigt
mir übers Haar gestrichen
mich an sein Herz gedrückt
mich ernst genommen...

Conrad M. Siegers

 

Zusammen schlafen

Zum Anfang

Außerdem schreibt Kohelet: Wenn zwei zusammen schlafen, wärmt einer
den andern; einer allein - wie soll er warm werden?

Koh 4,11

 

Zum Anfang

Ich habe unzählige Seiten vollgeschrieben.
Ich habe mir Geschichten ausgedacht.
Bin keine Antwort schuldig geblieben.
Ich habe den Denker und Clown gemacht.
Ich habe Weisheiten von mir gegeben und dabei manche Torheit,
wie mir scheint!
Ich habe geredet, als ging's um mein Leben.
Und doch nur immer eins gemeint: Ich liebe dich,
ich brauche dich, vertrau auf dich,
ich bau' auf dich, wollte nicht leben ohne dich -
ich liebe dich.

Ich hab's versucht, in immer neuen Bildern zu sprechen,
doch jetzt geht die Zeit mir aus, ich kann nicht mehr um
sieben Ecken schildern, ich sag' es einfach und gerade heraus.
Ich sag' es einfach, und ich schreibe auf deinen Spiegel,
auf die Wand, auf die beschlagene Fensterscheibe, wofür ich
soviel Umwege erfand: Ich liebe dich, ich brauche dich, vertrau
auf dich, ich bau' auf dich, wollte nicht leben ohne dich -
ich liebe dich.

Manchmal Seh' ich uns beide in Gedanken auf einem menschenleeren
Bahnsteig stehen, zwischen uns unsichtbare Schranken, und
einer bleibt, einer muß gehen.
Lautsprecherstimmen und Türenschlagen und Winken aus dem an-
fahrenden Zug. - Ich will's immer und immer wieder sagen,
und sag' es dir doch nie genug: Ich liebe dich, ich brauche dich,
vertrau auf dich, ich bau' auf dich. Wollte nicht leben ohne
dich - ich liebe dich.

Reinhard Mey

 

VATER UNSER

Zum Anfang

Eine Meditation für Eheleute

Vater unser im Himmel ...

Ja, Vater,
Wir haben Ja gesagt
zu Dir und zueinander;
wir trauen Deiner Nähe
und vertrauen darauf,
daß Du uns die Kraft
zum gemeinsamen Leben zutraust
und mit uns gehst,
auch wenn wir Dich
in der Ferne von uns,
in irgendeinem Himmel vermuten.
Wir spüren,
Du läßt uns nicht allein,
ob wir uns den Himmel bereiten
oder die Hölle.
Wir vertrauen uns Dir an
auf jedem Weg, den wir miteinander gehen.


geheiligt werde Dein Name

Unsere Ehe
ist ein Bild des Bundes,
ein Bild Deiner Einheit,
der Liebe,
die Dich, o Gott,
bindet:
an Dich an Dein Wort,
an uns Menschen.
Unsere Gemeinschaft
ist ein Lob Deines Namens.
Unser Tun
ist geheiligt durch Dich.
Unser Zuhause
ist Deine Wohnung;
offen für jeden, der uns sucht,
der Dich sucht,
Gemeinschaft sucht,
Liebe sucht.


Dein Reich komme ...

Wir sind unterwegs,
lange noch nicht am Ziel.
Unser Reden
kommt uns so groß vor,
unser Tun
bleibt weit dahinter zurück.
Wir wünschen uns
schon jetzt Dein Reich,
Deinen Frieden,
innere und äußere Stille,
Ruhe,
die uns Zeit und Gelegenheit gibt,
das aufzubauen,
wovon wir träumen,
mit Dir, in Deinem Geist,
in Deiner Kraft,
in Deinem Reich,
in dem Reich
des Friedens und der Liebe.


Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden

Wir bauen
ein Wolkenkuckucksheim,
eine Traumstadt
aus Perlen der Liebe und Zärtlichkeit,
aus Steinen,
die wir uns in den Weg räumen
oder die wir füreinander aufheben.
Aber unsere Ehe ist nur Wirklichkeit,
wenn wir beides sehen:
unsere Wünsche und Träume
und die Ängste und Ärgernisse,
die wir uns selbst bereiten.
Darum wünschen wir uns,
Dein Wille,
"Friede den Menschen,
die guten Willens sind",
gehe auch bei uns in Erfüllung.
Wir wünschen viel
füreinander,
voneinander,
und stoßen an Grenzen.


unser tägliches Brot gib uns heute ...

Noch haben wir genug zu essen.
Wir haben so viel,
daß wir Freunde daran teilnehmen
lassen können.
Es geht uns gut,
wir haben Arbeit und Einkommen.
Und doch spüren wir,
daß dies nicht alles ist,
daß dies
nicht das einzige Brot ist,
das wir wirklich brauchen.
Das Brot, das uns nährt,
das unsere wirkliche Not wendet,
finden wir nur
im Befolgen Deines Wortes.
Gib uns täglich
dieses Brot,
Deinen Geist,
Deine Liebe,
Deine Kraft,
Dein Wort
mit in unseren Tag.
Laß es uns teilen,
miteinander und füreinander,
mit Freunden und Fremden,
dann werden wir mehr teilen,
Dich mitteilen können
im Brot,
das wir essen,
im Brot,
von dem wir leben.


und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern ...

Wie schwer fällt es uns manchmal,
nachzugeben,
zu entschuldigen
uns für ein Unrecht zu entschuldigen,
den Partner
aus seiner Schuld zu entschuldigen.
Und doch liegt darin viel,
vielleicht alles,
vielleicht das Wohl und Wehe
unserer Ehe:
Freiwerden von Schuld,
Freimachen von Schuld.
Die Schuld,
die aus kleinen und großen Fehlern
erwachsen ist,
sie soll nicht mitwachsen
in unserer Ehe.
sie soll unsere Beziehung
zueinander
und zu Dir
nicht überwuchern.
Hilf uns, mit klaren Augen
einander anschauen zu können,
Dich anschauen zu können.


und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen ...

Wir haben
mit vielen anderen Menschen,
mit neuen Dingen und Ideen zu tun.
Wir finden viele Anregungen
für uns selbst,
für unser Sprechen
und Leben miteinander
aus Begegnungen mit anderen.
Manchmal erscheint
dieses Neue, dieses Fremde
angenehmer und leichter
als das, was uns zu schaffen macht,
lohnender als unsere eigene Beziehung,
sinnvoller
als unsere hoffnungslose Situation.
Öffne uns dann die Augen,
daß wir das Vordergründige
durchschauen,
das Tiefe spüren,
das Dein Ja-Wort in uns
gelegt hat und wachsen ließ.
Laß uns nicht leichtfertig
miteinander umgehen,
mit unserem Ja-Wort,
mit all unseren
Hoffnungen und Wünschen,
nichts zerbrechen,
was so mühsam
gewachsen ist.
Führe uns heraus,
neu zueinander hin.
Laß uns immer wieder
neu beginnen,
unser Ja immer stärker
zu dem Band werden,
das uns trägt, nicht fesselt,
den Weg weist, nicht versperrt;
denn es ist der rote Faden
unserer Liebe,
den Du mit uns begonnen hast
und mit uns weiterträgst.

denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Rita Bug-Sippel und Norbert Bug

 

Liebe....

Zum Anfang

Wir lieben uns, wenn wir ebenso gut zuhören - wie offen miteinander sprechen; wenn wir ein Auge haben für den anderen - und Augen zudrücken können; wenn wir Wahrheit sagen und Liebe - und über Fehler schweigen; wenn wir ebenso freudig geben - wie wir dankbar empfangen; wenn wir uns ehrlich entschuldigen - und ebenso aufrichtig verzeihen; wenn wir eine eigene Meinung haben - und andere Meinungen achten; wenn wir uns freuen über ein gutes Wort - und mit Lob und Dank nicht sparen; wenn wir den anderen gerecht werden wollen - auf eigenes Recht aber verzichten können; wenn wir uns helfen lassen - und die Last der anderen tragen helfen.
Theo Schmidkonz in: "Miteinander auf dem Weg: ein Wegbegleiter für Brautpaare und Ehepaare" (1994)


Albino Luciani:
An Penelope.
In Guten wie in schlechten Tagen.
(Aus: Briefe an Persönlichkeiten. München u.a. 1983)

Zum Anfang

März 1972
Verehrte Königin,
im Fernsehen konnte ich kürzlich das Auf und Ab im Leben der Dido miterleben. Zu der Zeit, als Eure Hoheit mit Odysseus, dem König des steinigen Ithaka vermählt war, regierte sie in Karthago. Ihre menschlich ergreifende Geschichte hat den heiligen Augustinus, der ganz in der Nähe von Karthago Bischof war, als Kind zu Tränen gerührt: Auch ich habe nicht ohne Ergriffenheit ihr Leben mitverfolgt. Die arme Dido! Sie hatte bei der Asche von Sychäus Treue geschworen. Zunächst versuchte sie mit aller Kraft, die in ihr aufbrechende Zuneigung zu Äneas zu verleugnen, doch schließlich siegte die Liebe. Dann die Tragödie: Die Liebende ahnt, daß Äneas sich anschickt, von Karthago abzureisen. Erfolglos beschwor sie den geliebten Helden zu bleiben, umsonst wirft sie ihm Undank und Verrat vor: Äneas lichtet die Anker. Zu groß ist der Schmerz der Verlassenen; die Flammen des Scheiterhaufens, auf dem sie sich verbrennen läßt, werden selbst von den trojanischen Schiffen, die Italien ansteuern gesehen. Glücklicher und beispielhafter war das Leben Eurer Hoheit, verehrte Penelope. Der scharfsinnige Odysseus mit seinen unzähligen Einfällen führte Euch als Gattin in seinen königlichen Palast. Mit ihm hattet Ihr einen prächtigen Sohn, den Telemach. Eurer Gatte mußte bald in den langen Trojanischen Krieg ziehen. Als dieser (vor allem dank des berühmten von ihm gebauten Pferdes) zu Ende ging, irrte er viele Jahre auf den Weltmeeren umher. Trotz vieler abenteuerlicher Zwischenfälle gelang es ihm, auf sein Ithaka und zu Eurer Liebe zurückzukehren, die Ihr in der Zwischenzeit unversehrt bewahrt hattet. Die lästigen Thronbewerber, die in Eurem Haus saßen und übermütig auf Eure Kosten schmausten, hatten Euch zwar gedrängt, unter ihnen einen neuen Ehemann auszuwählen, doch Ihr wart festgeblieben. Sie hausten in den unteren Gemächern, während Ihr zusammen mit Euren Mägden im Obergeschoß tagsüber Euer so berühmtes Gewebe wirktet. Des Nachts trenntet Ihr es immer wieder auf, um die Freier hinzuhalten und Eure Liebe und Treue zu verteidigen. Das Herz und die Träume sagten Euch, daß der Gatte wieder zurückkäme. Wer hätte auch so mutig sein sollen, das Kissen zu beanspruchen, auf dem Odysseus geschlafen, oder die Tasse, aus der er getrunken hatte, oder wer hätte seinem bereits heranwachsenden Sohn befehlen können, wer hätte es wagen können, sein Pferd zu besteigen oder seinen Hund zu rufen? Die Freier fielen den Pfeilen zum Opfer, die Treue wurde belohnt, die Familie war wieder vereint, und die eheliche Liebe blühte neu auf. Diese Liebe, verehrte Königin, die Euch so heilig war, ist uns Christen noch mehr heilig. Es tut uns weh, wenn man sich über sie lustig macht. Monntaigne zum Beispiel stellte die Ehe als einen vergoldeten Käfig dar: Die Vögel außerhalb des Käfigs fliegen hin und her und suchen hineinzukommen, die Vögel, die drinnen sind, tun alles, um herauszukommen. Das Zweite Vatikanische Konzil stellte mit Freude fest, daß viele Menschen unserer Zeit "der wahren Liebe zwischen Mann und Frau großen Wert zumessen".
Unter den Bibelstellen, die das Konzil anführt, gibt es auch folgende, auch geradezu für Euren zurückgekehrten Odysseus geschrieben worden zu sein scheint: "Freu dich der Gattin deiner Jugendtage. der lieblichen Hinde, der anmutigen Gazelle" (Spr 5,18). Vergiß, Odysseus, die Zauberin Circe, die dich ein Jahr lang mit Festen und Schmausen in ihrem Palast hingehalten hat; vergiß die Schönheit der Nausikaa, des Mädchens, das du vor kurzem am Flußufer gesehen hast. Sollte noch einmal notwendig werden, laß dich wieder an den Mast des Schiffes binden, damit dich das Lied der Sirenen nicht verführt. Auf Eure Hochzeit paßt, was das Konzil über die eheliche Liebe sagt: Sie "bedeutet unlösliche Treue, die in Glück und Unglück Leib und Seele umfaßt und darum unvereinbar ist mit jedem Ehebruch und jeder Ehescheidung". Dieses Ziel habt Ihr erreicht, indem Ihr Euch in "ungewöhnlicher Tugend , in "Seelengröße und Opfergeist" übtet, auf welche das Konzil hinweist. Dadurch habt Ihr viele Hindernisse überwunden, die sich der ehelichen Liebe in den Weg stellen können. Da ist als erstes Hindernis das kleine Herz, das so schwankend unberechenbar ist. Nur ein umsichtiger Ehegatte kann es unter Kontrolle halten. Vielleicht glaubt man hin und wieder, es weniger überwachen zu müssen - und schon wird es von irgend etwas angelockt. Man sagt sich: "Es ist nur für einen Augenblick! Ich will mein Gehege nicht verlassen, nur einen Blick über den Zaun will ich tun und etwas sehen von dem Leben da draußen." Wenn sich dann einmal im Zaun eine Öffnung zeigt, kann aus dem Augenblick eine Stunde werden, und aus der Stunde Verrat . . .

"Ihr wollt", schreibt der heilige Franz von Sales, "anfangen zu lieben, nicht wahr? Paßt auf, daß ihr dabei nicht untreu werdet; denn in diesem Spiel ist der, welcher nimmt, der Gefangengenommene . . . Nur etwas möchte ich mir nehmen`, wird mir jemand entgegnen, ,nicht zuviel.` Doch das Feuer der Liebe ist zu vital und zu drängend. Ihr wollt nur einen Funken und seid dann überrascht, wenn euer Herz plötzlich in Brand gerät, wenn eure Vorsätze zu Asche werden und euer Ruf zu Rauch...

Ein zweites Hindernis: die Eintönigkeit. Tagtäglich sind die Ehegatten von denselben nüchternen Angelegenheiten des Haushaltes und der Arbeit in Beschlag genommen. Er fürchtet, vor seinen Freunden als Schwächling zu gelten, wenn er auf ein Spiel verzichtet, um seiner Frau Gesellschaft zu leisten. Sie glaubt, Zeit zu verlieren, wenn sie ihre Arbeit unterbricht, um sich mit ihm zu unterhalten. Schließlich müssen sie sich eingestehen, daß sie kaum noch etwas füreinander fühlen . Ihre Liebe ist vom Gedanken an die Vergangenheit und ihre Liebesbezeugungen sind von der Erinnerung getragen. Das ist die Gefahr des Lebensabschnitts um die Vierzig, die Paul Bourget in seinem Roman "Le démon de midi" so klar analysiert hat. Venus oder Adonis begegnen uns in der Person des Kollegen oder der Kollegin. Man hat den Eindruck, in vielen Fragen mehr mit ihnen übereinzustimmen als mit dem eignen Ehepartner.

Oder es überkommt einen die Neugier: "Ich möchte einmal ausprobieren, ob ich heute noch so attraktiv bin wie früher." Hat man dann eine Bestätigung erfahren, ist es fast unmöglich, sich nicht fortreißen zu lassen. Wenn man keine gesunde und feste Überzeugung mehr hat, dann läßt man sich leicht von modernen Ideen beeinflussen . "Alle machen es so! - Ich betrüge den Ehegatten? Muß man denn gleich das Wort ,Betrug` gebrauchen? Es ist doch nur ein kleiner Seitensprung. Man ist zur Treue verpflichtet? Ja, mindert das denn die Liebe zu meiner Frau und zu der guten Mutter meiner Kinder, wenn ich einmal mit einer Freundin gehe!`Was für Mittel gibt es gegen solche Gefahren? Ich denke, wir müssen ein starkes Bewußtsein unserer Abhängigkeit von Gott haben und fest glauben, durch das Gebet erhalten zu können was uns in unserer Schwachheit fehlt. Und weiter müssen wir die Kunst lernen, unsere Liebe immer neu und immer jung zu erhalten. Der Mann soll nie aufhören, seiner Frau den Hof zu machen, und die Frau soll immer versuchen, ihren Mann mit liebenswürdigen Aufmerksamkeiten für sich zu gewinnen.
Franz von Sales schreibt: "Wenn Liebe und Treue miteinander verbunden sind, bringen sie Vertrauen und Vertrautheit hervor." Deshalb haben sich heilige Männer und Frauen in ihrer Ehe viele Zärtlichkeiten ausgetauscht. Isaak und Rebekka waren das keuscheste Ehepaar im alten Israel. An der Art und Weise, wie sie voller Zärtlichkeit und doch mit Zurückhaltung sich einmal umarmten, erkannte Abimelech, daß sie Mann und Frau waren.

Der heilige Ludwig, der große König, erhielt sogar einmal die Anweisung, in diesen Aufmerksamkeiten, die für die Aufrechterhaltung der ehelichen Liebe so notwendig sind, nicht zu übertreiben."

Ein drittes Hindernis: die Eifersucht. Sie ist nichts Edles, wie man einmal glaubte, sondern erniedrigt und verdirbt die Liebe. "Es wäre eine Dummheit, die Liebe eines Mannes zu rühmen, indem man seine Eifersucht hervorhebt; die Eifersucht zeigt zwar die Größe und die Kraft der Zuneigung an, aber nicht ihre Tiefe, ihre Reinheit und Vollkommenheit. Wer eine vollkommene Liebe hat, vertraut fest darauf, daß die geliebte Person tugendhaft und treu ist. Der Eifersüchtige dagegen zweifelt an der Treue der Geliebten." Der heilige Franz von Sales fährt fort: "Letzten Endes zerstört die Eifersucht das Wesen der Liebe, denn sie ruft Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten hervor." Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten stellen ein viertes Hindernis für die eheliche Liebe dar. Auch bei den besten Eheleuten gibt es Augenblicke der Müdigkeit und der schlechten Laune. Da muß man Abhilfe schaffen, damit der Friede erhalten bleibt. Ist er verärgert und schaut finster drein, dann soll sie besonders liebevoll und zärtlich sein. Ist sie nervös und müde, soll er ruhig bleiben und warten, bis die Sonne wieder scheint. Wichtig ist, daß nicht beide gleichzeitig nervös sind, sonst endet es mit einem Kurzschluß, Funken sprühen, und ein Wort gibt das andere. Die Worte, die dann fallen, drücken manchmal allzu kraß die Wahrheit aus, eine bittere Wahrheit, die dann Enttäuschungen, Groll und verborgenen wunden hinterläßt.
Der Gerechtigkeit halber müßten sich - wenn diese unguten Augenblicke wirklich nicht zu vermeiden sind - die Eheleute in ihrer schlechten Laune abwechseln. Es kann vorkommen, daß einer von ihnen eine Monopolstellung auf diesem Gebiet
einnimmt. Dann bleibt dem anderen nicht übrig, als sich ein Herz zu fassen und zu versuchen, seinerseits die Monopolstellung der Geduld einzunehmen.

Verehrte Königin, vielleicht habe ich Praxis und Theorie einander nähergebracht und sie miteinander verbunden. Ich habe die Liebe und die Treue, die Ihr als Nichtchristin aus einem angeborenen Empfinden heraus gelebt habt, mit dem verbunden, was der Bischof Franz von Sales aus dem Licht der Bibel und aus großer psychologischer Einfühlung heraus gelehrt hat. Ob es den Eheleuten von heute, die sich unbestreitbar in großen Schwierigkeiten befinden, etwas helfen kann?

Ich würde es mir wünschen.

Zum Anfang


Johannes Mario Simmel

Liebe 56

"Zwei Dioptrien rechts, zweieinhalb Dioptrien links", sagte der Arzt. Er ging
von der großen Tafel mit den Buchstaben und Zahlen fort zu seinem Schreibtisch
zurück. Dabei kam er an der Frau vorbei, die der Tafel gegenüber saß. Die Frau
war schlank und groß, sie trug ein graues Kostüm, und ihr schwarzes Haar war
kurzgeschnitten. Nun nahm sie die Probebrille ab, die der Augenarzt ihr auf-
gesetzt hatte, und blinzelte: "Was heißt das, zwei und zweieinhalb Dioptrien,
Herr Doktor?"
"Sie sind weitsichtig, gnädige Frau. Sie müssen eine Brille tragen."
"Eine Brille ..." Die Frau zuckte zusammen. "Das ist ja furchtbar!" Sie sah
aus, als wollte sie zu weinen beginnen. "Ich kann doch keine Brille tragen!"
"Unsinn", sagte der Arzt und lächelte. "Erstens geht es um ihre Gesundheit,
zweitens sehen Sie ohne Brille nicht mehr genug, und drittens gibt es jetzt
sehr eleganten und schöne Brillen! Ich schreibe ihnen gleich ein Rezept für den
Optiker aus. Ihr Name, bitte?"
"Lucie Wiegand", sagte die Frau. Sie sah abwesend und traurig aus.
"Ihr Alter?"
"Neununddreißig." Lucie neigte sich über den Schreibtisch.
"Geht es denn nicht anders, Herr Doktor? Muß ich denn eine Brille tragen?"
"Warum wehren Sie sich so dagegen?"
"Weil ich neununddreißig bin!"
"Na und? Sie sehen aus wie zweiunddreißig!"
"Danke, Herr Doktor." Lucie sagte leise: "Ich bin aber verheiratet. Und mein
Mann sieht nicht nur aus wie zweiunddreißig. Er ist zweiunddreißig."
"Ich verstehe", sagte der Arzt.
"Mein Mann ist sieben Jahre jünger - und er trägt keine Brille, Herr Doktor.
Ich ... liebe meinen Mann. Ich hatte immer ein bißchen Angst in meiner Ehe ...
wegen des Altersunterschiedes ... aber es ging gut ... bis heute ging alles
wunderbar!"
Der Augenarzt klopfte dreimal auf die Schreibtischplatte, und Lucie klopfte
dreimal auf die Schreibtischplatte, und dann sagte sie gramvoll: "Weit-
sichtigkeit ist ein Alterserscheinung"
"Das ist nun ein noch größerer Unsinn", sagte der Augenarzt und lächelte, "so
etwas will ich aus Ihrem Mund nicht mehr hören! Wenn Ihr Mann Sie bis heute ge-
liebt hat, dann wird ihn auch die Brille nicht stören! Im Gegenteil, sie wird
ihm gefallen! Sie sind ein bezaubernden junge Frau. Ich würde Sie mit und ohne
Brille verehren. Wie lange sind Sie verheiratet?"
"Elf Jahre."
"Na bitte! Bedenken Sie, wie aufregend es für Ihren Mann sein wird. Sie in
vielen Situationen plötzlich mit einer Brille zu sehen."
Jetzt lachte Lucie Wiegand. "Sie sind nett, Herr Doktor, sehr nett."
Lucie ging vom Arzt zum Optiker. Die Brille war am gleichen Abend fertig. Als
Walter Wiegand heimkam, reif er nach seiner Frau.
"Lucie, Liebling! Wo bist du?"
Zwei Arme legten sich von rückwärts um ihn. Sie flüsterte:
"Erschrick nicht, wenn du die umdrehst, mein Herz..."
Er drehte sich um und sah die modisch geschwungene schwarze Hornbrille in
ihrem Gesicht. Er holte tief Atem.
"Schrecklich, nicht?" fragte Lucie angstvoll.
"Schrecklich?" sagte er. "Ich bin begeistert! Du siehst so schön aus wie noch
nie! Außerdem hast du doch in der letzten Zeit in der Nähe nicht mehr richtig
gesehen ..."
"Eben!"
"Und jetzt wirst du wenigstens deutlich erkennen können, was ich heute entdeckt
habe." Er neigte den Kopf.
"Schau mal, über dem Ohr."
Sie sah genau hin. Dann sagte sie gerührt: "Ein graues Haar... "
"Das erste", sagte er. "Liebling, ich werde alt."

Aus: J. M. Simmel: Zweiundzwanzig Zentimeter Zärtlichkeit und andere Ge-
schichten aus dreiunddreißig Jahren. Locarno 1979, S. 276-277.

Hauke, Erika:
... für ein Leben zu zweit . Tölpel entscheiden sich nach Prüfung
für einen Partner auf Dauer.

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Ohrenbetäubend ist der Lärm der See und der über 70.000 Vögel auf der kleinen schottischen Insel. Auf dem "Bass Rock", nur etwa so groß wie drei Fußballfelder, ist eine der größten Baßtölpelkolonien der Welt.

Auf diesem Felsen - fünf Kilometer vom Festland - lebte im achten Jahrhundert ein Mönch. Baldred von Bass Rock. Er missionierte die Menschen in der kleinen Provinz Lothian rund um die Hauptstadt Edinburgh. Im 15. Jahrhundert wurde dem "Bass Rock" an der Stelle, wo Baldred seine Zelle erbaute, eine kleine Kapelle errichtet. Sie wurde 1542 eingeweiht.

Heute stehen davon nur noch ein paar Mauern, ein Brutplatz für Tölpel. Denn nach dem "Bass Rock" sind auch seine Bewohner benannt. "Sula Bassana", Baßtölpel. Der Vogel, so groß wie eine Gans, hat eine Spannweite von knapp zwei Metern und wohnt von Februar bis September auf dem Felsen. Dort zieht er seine Jungen groß. Die Paare, die den Winter über getrennt auf dem offenen Meer verbringen, treffen sich jedes Jahr wieder auf dem Felsen. Sie bleiben sich ein Leben lang treu. Die Jungvögel treffen sich in "Junggesellenvereinen", ums ich kennenzulernen. Für ein Baßtölpelehepaar ist es lebenswichtig zu wissen, ob der Partner in der Lage ist, eine Familie zu ernähren. Um das zu beweisen, füttern die jungen Männchen während dieser Zeit ihre "Auserwählte" mit frischen Fischen. Dabei werden zärtliche Bande geknüpft.
Mit jedem Jahr festigt sich die Partnerschaft. Nach fünf Jahren der Prüfung schließen die Paare den Bund fürs Leben. Gemeinsam wird das Nest aus Seetang gebaut. Das Männchen schafft das Nistmaterial herbei und überreicht es in einer festgelegten Zeremonie seinem Weibchen. Auf dem Kahlen Felsen baut das Weibchen ein Nest. Anschließend wird ein einziges Ei gelegt und abwechselnd von beiden Partnern bis zu 45 Tage lang ausgebrütet. Kehrt ein Vogel von der Nahrungsaufnahme auf dem offenen Meer zum Nest zurück, begrüßt er liebevoll seinen zurückgebliebenen Partner.

Noch über zwei Monate sind die Ehegatten damit beschäftigt, ihren Nachwuchs zu füttern, ihn vor Kälte, Nässe und Räubern zu schützen. Dann wagen die Jungen den Sprung in die Tiefe. Fliegen können sie immer noch nicht. Sie gleiten im Wind. Und eines Tages wagen sie den ganz großen Sprung, ins offene Meer. Zu zweit, in eine Ehe - ein Leben lang!

Erika Hauke
In: Bonifatiusbote 4. Juni, 1995

Fortsetzung....

 


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