Pfarrei Schröck v.2004 [Archiv]
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Bischof Dr. Eduard Schick (*1906 +2000)
"Sohn des katholischen Oberhessen"

Konzilsteilnehmer: Bischof Schick, Bischof Bolte... 1965   Firmung 1987 in Schröck: Bischof Eduard Schick

Bischof Dr. Eduard Schick

Am 20. November 2000 verstarb im Eichhof-Krankenhaus in Lauterbach Bischof Dr. Eduard Schick. Der emeritierte Fuldaer Oberhirte (geboren am 23. Februar 1906) stand im 95. Lebensjahr und 72. Jahr seines Priestertums. Er war der älteste katholische Bischof in Deutschland und einer der wenigen Bischöfe der Weltkirche, die von der ersten bis zur letzten Sitzungs-periode noch am Zweiten Vatikanischen Konzil teilgenommen haben. Als neutestamentlicher Exeget von Rang hatte Schick dem Zweiten Vatikanum insbesondere bei der Umsetzung des Kirchenbegriffs wichtige Impulse gegeben. In seiner oberhessischen Heimat wurde er begraben.

Am 22. Dezember 1998 beging Bischof Dr. Eduard Schick den 70. Jahrestag seiner Priesterweihe, die er 1928 im Fuldaer Dom empfangen hatte. Der emeritierte Fuldaer Oberhirte war der älteste katholische Bischof in Deutschland und einer der wenigen, die von der ersten bis zur letzten Sitzungsperiode noch am Zweiten Vatikanischen Konzil teilgenommen haben. Als neutestamentlicher Exeget von Rang hat Schick dem Zweiten Vatikanum insbesondere bei der Umsetzung des Kirchenbegriffs wichtige Impulse gegeben

Sorge um Glaubensverkündigung

Vermächtnis eines Konzilvaters

Sohn Oberhessens

Dem Bistum verbunden

Sorge um Priesterausbildung

Muse christlichen Lebens

Papst Johannes Paul II und Bischof Edurad Schick   Bischofswappen
  Papst Johannes Paul II Bischof Schick   Bischofswappen

1962 zum Weihbischof ernannt und als Folge des Konzils mit wichtigen überdiözesanen Aufgaben betraut, leitete Schick von 1974 bis 1983 die Diözese Fulda, zunächst als Kapitularvikar, dann als Diözesanbischof und zuletzt als Apostolischer Administrator. Nicht nur als Konzilsteilnehmer, sondern vor allem auch als Präsident der noch von Papst Paul VI. eingesetzten Neo-Vulgata-Kommission hat er durch seine entscheidende Mitwirkung an der neuen lateinischen Bibelübersetzung als amtlichem Text aller Originalausgaben liturgischer Bücher sowie Urkunden und Dokumente des Heiligen Stuhls ein Stück Kirchengeschichte mitgeschrieben. Als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die neue Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift erwarb sich Bischof Schick nicht zuletzt auch große Verdienste um die wachsende Zusammenarbeit der christlichen Kirchen im deutschen Sprachraum. Wenn die Fertigstellung der Neo-Vulgata seinerzeit als "wahrhaft historisches Ereignis" und die neue deutschsprachige Einheitsübersetzung als "ökumenisches Jahrhundertwerk" herausgestellt wurden, so läßt dies ahnen, welch gewaltiges Arbeitspensum sich der frühere Fuldaer Oberhirte hier aus apostolischem Verantwortungsbewußtsein über viele Jahre hin auferlegt hat.

Das hohe Ansehen, das sich Bischof Schick erworben hat, wurde in der Verleihung der Ehrenbürgerrechte der Stadt Fulda und seiner Heimatstadt Amöneburg, der Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes und der ersten Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät Fulda sowie der Ernennung zum Ehrenritter des Deutschen Ordens öffentlich sichtbar.

Sorge um Glaubensverkündigung

[Inhalt]

Als Priester versteht sich Bischof Schick in erster Linie als "Werkzeug Gottes". Bestimmend für sein gesamtes pastorales Wirken war daher stets die Verkündigung des Glaubens: Als Theologieprofessor kommentierte er das Neue Testament, als langjähriger Regens des Priesterseminars trug er Verantwortung für die künftigen Verkünder des Evangeliums, als Bischof in der Nachfolge der Apostel war er stets authentischer Künder des Gotteswortes. In seinen zahlreichen Schriften hat sich Bischof Schick nicht nur als ausgezeichneter Kenner der biblischen Botschaft erwiesen, sondern auch vielen Menschen dazu verholfen, einen tieferen Zugang zu Christus und seiner Offenbarung zu gewinnen. Getreu seinem Wahlspruch "Veritatis victoria caritas" hat Bischof Schick deutlich gemacht, daß letztlich die Liebe allein gültiges Beweismittel für die Echtheit und Reife des Glaubens und damit Kern christlicher Lebenserziehung ist. Durch sein klares Zeugnis der Wahrheit des Evangeliums hat er neuen, selbstbewußten Glaubensmut gegeben. Charakteristisch sind die programmatischen Titel seiner Bücher "Die Wahrheit siegt durch die Liebe", "Das Vermächtnis des Herrn", "Im Glauben Kraft empfangen", "Allen alles werden", "Der erlöste Kosmos" - um nur einige zu nennen.

Vermächtnis eines Konzilvaters

[Inhalt]

Die Sorge um die Verkündigung der Kirche hat Bischof Schick bis zum heutigen Tag nicht losgelassen. So hat er erst Anfang dieses Jahres in einer viel beachteten Abhandlung vor den Gefahren einer nicht mehr ausschließlich an der Offenbarung Gottes orientierten Verkündigung eindringlich gewarnt. Wiederholt hat er gerade in jüngster Zeit seine tiefe Besorgnis angesichts der gegenwärtigen tiefen Krise des Glaubens bekundet und als "Vermächtnis eines Konzilvaters" herausgestellt, daß unsere Zeit weniger neue Strukturen als zeitaufgeschlossene tiefgläubige Seelsorger brauche.

Die Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) war für Bischof Schick, wie er selbst - so u.a. in einer Rückschau in "Stimmen der Zeit" - bekundet hat, "das hervorragendste und persönlich stärkste Erlebnis" seines ganzen Priesterlebens. Es war dabei vor allem das Erlebnis der Weltkirche, das ihn zutiefst geprägt hat. Mit fundiertem biblischem Wissen hat der damalige Weihbischof in der Konzilsaula mehrfach das Wort ergriffen. Besondere Beachtung fand dabei seine Intervention zur Theologie und Stellung der Ortskirche im Rahmen der Gesamtkirche, deren Grundgedanken in die dogmatische Konstitution über die Kirche "Lumen Gentium", wohl eines der wichtigsten Konzildokumente, eingegangen sind. Die Kirche als das zu sehen, was sie wirklich ist, nicht nur als historische Institution, die Neubesinnung auf ihre missionarische Sendung lagen ihm besonders am Herzen.

Sohn des katholischen Oberhessen

[Inhalt]

Bischof Schick ist ein Sohn des katholischen Oberhessen. Immer wieder - zuletzt bei der Bischofsweihe von Dr. Ludwig Schick im Juli diesen Jahres - hat er herausgestellt, welch prägende Kraft der Geburtsort Mardorf am Fuße der Amöneburg, der ersten Klostergründung des hl. Bonifatius in Hessen, und das bäuerliche Elternhaus nahe der Stadt der hl. Elisabeth für seine ganze spätere Entwicklung hatten. In der Mardorfer St. Hubertus-Kirche fand am 2. Weihnachtstag 1928 auch die Primizfeier statt. War damals in der Kirchenzeitung "Bonifatiusbote" der Wunsch geäußert worden, daß dem Neupriester "eine reich von Gott gesegnete Wirksamkeit auf viele, viele Jahre" vergönnt sein möge, so ist das nunmehrige höchst seltene Jubiläum willkommene Gelegenheit, Dank zu sagen.

Dem Bistum ein Leben lang verbunden

[Inhalt]

Bischof Schick hat - wie er selbst vor kurzem formulierte - "dieses verwirrende und verworrene Jahrhundert vom ersten bis zum letzten Jahrzehnt erlebt". Als Priester blieb er dem Bistum des hl. Bonifatius und der hl. Elisabeth ein Leben lang verbunden. Nach vierjähriger Tätigkeit als Kaplan in Hattenhof und Kassel (St. Marien, St. Familia) zu weiteren Studien beurlaubt, schloß er sein an der Universität Göttingen begonnenes Mathematikstudium 1934 an der Universität Bonn mit dem philologischen Staatsexamen ab. Nach seinem Referendariat am Wilhelmsgymnasium in Kassel legte er 1935 die Assessorenprüfung ab. Ein Jahr später wurde er von den nationalsozialistischen Machthabern aus dem staatlichen Schuldienst entfernt. Nach einem weiteren Jahr Kaplanstätigkeit in St. Marien in Kassel war er bis zur Schließung durch das NS-Regime 1938 Leiter der Bischöflichen Rektoratsschule in Großauheim. Er setzte danach seine theologischen Studien an der Universität Würzburg fort und schloß sie mit der Promotion ab. Seine Dissertation stellte eine sehr frühe Auseinandersetzung mit der Entmythologisierungstheorie Bultmanns dar.

1939 wurde Schick von seinem Bischof zum Regens des Priesterseminars ernannt, das er während der schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre bis 1950 leitete. Daneben Dozent an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Fulda, wurde er 1947 zum Ordentlichen Professor für Neutestamentliche Exegese berufen und bekleidete von 1960 bis 1962 das Amt des Rektors der Hochschule. 1957 wurde er Ehrendomkapitular und im gleichen Jahr residierender Domkapitular. Von 1955 bis 1959 war er auch stellvertretender Generalvikar.

Am 14. April 1962 wurde Dr. Schick zum Titularbischof von Aradi (Nordafrika) und Weihbischof in Fulda ernannt und am 11. Mai desselben Jahres in Fulda zum Bischof geweiht. Nach der Neustrukturierung der Fuldaer Bischofskonferenz aufgrund der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils war er Vorsitzender der Unterkommission der Deutschen Bischofskonferenz für biblische Fragen. Nach dem Tod von Bischof Bolte leitete Weihbischof Schick als Kapitularvikar das Bistum Fulda, bis er am 18. Dezember 1974 zum Bischof von Fulda ernannt wurde.

Sorge um Priesterausbildung

[Inhalt]

Als ehemaliger Regens und Professor für Neutestamentliche Exegese (der seine Lehrtätigkeit auch als Weihbischof bis 1970 fortsetzte), sah Bischof Schick in der Sorge für Priesterseminar und Hochschule eine der wichtigsten Aufgaben seines bischöflichen Amtes. Frucht seiner vielfältigen Bemühungen war eine wachsende Zahl von Priesteramtskandidaten sowie 1978 die Erhebung der Philosophisch-Theologischen Hochschule zur Theologischen Fakultät Fulda mit dem Recht der Verleihung der akademischen Grade in Theologie. Den seelsorglichen Erfordernissen suchte er durch die Schaffung von neuen Pfarrheimen als Begegnungsstätten der Gläubigen außerhalb des Gottesdienstes und von Bildungshäusern gerecht zu werden. Das älteste Bildungshaus des Bistums, das Fuldaer Bonifatiushaus, erfuhr eine wesentliche bauliche Erweiterung und wurde zu einer Mustereinrichtung kirchlicher Erwachsenenbildung.

Muse christlichen Lebens

[Inhalt]

Am 1. Juli 1982 nahm Papst Johannes Paul II. das mit der Vollendung des 75. Lebensjahres vorgeschriebene Rücktrittsgesuch von Bischof Schick an. Aber auch als "bischöflicher Pensionär" blieb Bischof Schick für die Menschen verfügbar. Getreu seiner erklärten Absicht, den Ruhestand zu einer "Muse für das christliche Leben" zu machen, widmete er sich auch wieder intensiv der theologischen Wissenschaft. In Meditationen zu Büchern des Neuen Testaments mit teilweise hochaktuellen Bezügen sprach er Grundfragen menschlicher Existenz an, suchte sie von der christlichen Botschaft her zu beleuchten und setzte sich dabei kritisch mit Strömungen der Zeit auseinander. Trotz tiefer Sorge über das gegenwärtige Erscheinungsbild der Kirche, das ihn auch im hohen Alter zutiefst bewegt, ist seine Grundhaltung dabei doch stets von christlichem Optimismus geprägt, einer unerschütterlichen Zuversicht aus lebendigem Glauben, die weiterzugeben, ihm sein ganzes Priesterleben Verpflichtung war.

[Inhalt]

[Digitalisierung von pfarrgeschichtlichen Quellen und Abhandlungen Nr. 12
bischofe.htm | 20.12.98
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Stefan Krönung 1996-2007 als Pfarrer in St. Michael und St. Elisabeth

 

 

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 Update 31.05.11

1998-2001 www.pfarrei-schroeck.de

Der hintere Teil des Fuldaer Domplatzes zwischen Marienkapelle, Priesterseminar und Theologischer Fakultät wird entsprechend einem einstimmigen Beschluss des Magistrats künftig den Namen "Eduard-Schick-Platz" tragen und damit an den im November vergangenen Jahres verstorbenen langjährigen Diözesanbischof und Ehrenbürger der Stadt erinnern. Die offizielle Benennung und Widmung des Platzes erfolgt am Freitag, 28. September, um 9.30 Uhr durch die symbolische Enthüllung des neuen Schildes.
Das Leben und Wirken von Bischof Eduard Schick ist eng mit den Gebäuden rund um den Platz verknüpft, der künftig seinen Namen trägt. Im Dom wurde er zum Priester und zum Bischof geweiht. Von 1974 bis 1983 war das Gotteshaus seine Kathedralkirche. Im Priesterseminar studierte er von 1924 bis 1929 Philosophie und Theologie. Von 1939 bis 1950 leitete er in schwieriger Zeit als Regens das Priesterseminar. Seit 1947 war Eduard Schick Professor für Neutestamentliche Exegese (Bibelauslegung), von 1960 bis 1962 Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule. Deren Erhebung zur Theologischen Fakultät im Jahr 1978 war die Frucht vielfältiger Bemühungen des verstorbenen Oberhirten. (September 2001)